Anti A33 Nord - Fahrradtour - Rückblick
Demonstration gegen Lückenschluss zwischen Belm und Rulle
Osnabrück. Diese Fahrradtour rief Beklemmungen hervor – obwohl sie durch eine schöne Landschaft führte. Oder auch gerade deshalb, denn: Die 250 Teilnehmer radelten dort entlang, wo eine neun Kilometer lange Autobahn von Belm über Icker und Rulle-Ost entstehen soll und die als Lückenschluss zwischen der A1 und der A33 gedacht ist. Dann wäre es vorbei mit der Idylle.
Dass sich das eher nüchterne Wort Lückenschluss auf die Landschaft auswirken würde, ließ manchen Teilnehmer während der Radtour verstummen. Denn sie stellten sich vor, wie es hier aussehen könnte, wenn die Autobahn auf einem bis zu neun Meter hohen Damm Belm durchschneiden oder in Icker und Rulle eine sieben oder neun Meter tiefe Furche in die Erde reißen würde.
Erwin Schröder, der in Belm für die SPD im Rat sitzt und sich gegen die Autobahn engagiert, sagte es so: „Wir haben hier eine einzigartige Perle der Natur. Es darf nicht sein, dass die zerstört wird.“ Leo Niederrielage sprach die Existenzängste der Landwirte an: „Die Autobahn soll durch die Ländereien führen.“ Zum Beispiel sei sein Reiterhof am Power Weg betroffen. Ein Ausritt in die Natur werde von dort aus kaum noch möglich sein. Die Autobahn würde 58 Hektar Land verschlingen und viele große Flächen diagonal durchkreuzen.
„Viele haben gar nicht geahnt, welche Dimensionen eine Autobahn hier einnehmen würde“, sagte Heinrich Fiedeldey. Um die Auswirkungen zumindest erahnen zu lassen, hatten mehrere Veranstalter veranlasst, gemeinsam diese Radtour von der Dominikanerkirche in Osnabrück aus zu organisieren: die Gemeinde Wallenhorst, das Umweltforum Osnabrücker Land, die Bürgervereine Wallenhorst und Icker, die Pfadfinder aus Rulle, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und die Initiative „Besseres Verkehrskonzept“.
Alfred Lindner (CDU), stellvertretender Bürgermeister von Wallenhorst, sieht „keinen Grund, der dafür spricht, diese Autobahn zu bauen“, denn: „Sie würde nur vier bis sechs Minuten Zeitersparnis bringen.“ Erwin Schröder meinte, es sei eher sinnvoll die A30 sechsspurig auszubauen.
Das Umweltforum Osnabrücker Land sammelt in einem Fonds Geld, um eine Klage zu finanzieren. Rainer Comfere, der sich in dieser Organisation engagiert, berichtete: „Auf mehr als der Hälfte der geplanten Autobahntrasse befinden sich FFH-Gebiete.“ Die Abkürzung steht für Fauna, Flora und Habitat, also für Tiere, Pflanzen und Lebensräume, die nach einer Richtlinie der Europäischen Union schützenswert sind.
Rainer Comfere sieht einen Hoffnungsschimmer: „Das Bundesumweltministerium hat die Zustimmung für die Autobahn verweigert. Jetzt stehen neue Prüfungen an.“
Doch die Beklemmung will bei den Radfahrern noch nicht weichen.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (vom 15. Mai 2011) - Außerdem einige Bilder zu der Fahrradtour!


